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Das U23-Rennen der Herren startete am heutigen Freitag (2.9.11) um 17.00 Uhr und ging erst in den Abendstunden zu Ende. Nach harten Stürzen, die auf der sehr anspruchsvollen Strecke in Champéry sogar teilweise zu Knochenbrüchen führten, steht der neue U23-Weltmeister nun fest, denn Thomas Litscher konnte sich hier fast im Alleingang gegen seine Konkurrenten durchsetzen.
Die U23-Fahrer mussten sechs 4,8 Kilometer lange Runden plus eine 3 Kilometer lange Einführungsrunde hinter sich bringen und der Schweizer Thomas Litscher (Felt Ötztal X-Bionic) setzte sich schon gleich nach dem Startschuss an die Spitze des Feldes. So gelang es Litscher recht schnell, das fast 90 Fahrer starke Feld auseinander zu ziehen, wobei Gerhard Kerschbaumer (TX Active Bianchi) ihm dicht am Hinterrad hing. Eine kleine Lücke konnte Litscher schon hier immer wieder reißen, Kerschbaumer wusste jedoch, was er tun musste, um sich nicht abschütteln zu lassen. In der ersten großen Runde sah die Welt dann jedoch schon ganz anders aus und ein Patzer von Kerschbaumer, bei dem er einige Sekunden aus dem Pedal musste, um das Gleichgewicht zu halten, reichte Litscher, um davon zu ziehen und schon jetzt einen Vorsprung von rund einer halben Minute heraus zu fahren. Ab hier war Litscher dann nicht mehr zu stoppen und der Vorsprung wurde größer und größer. Auch wenn Litscher selbst gelegentlich ein paar Probleme in den kniffligen Wurzelpassagen hatte, tat das seinem unglaublichen Rennstil am heutigen Tag keinen Abbruch und er konnte bis ins Ziel, das er selbst nach 1:32:30 Stunden erreichte, 1:42 Minuten auf den Zweitplatzierten gut machen.
Hinter Litscher wurde indes hart gekämpft und fast jede Runde änderten sich die Konstellationen der Fahrer auf den ersten fünf Positionen. Nachdem Kerschbaumer in Runde eins ein wenig wackelte, konnte er seine Position immerhin noch bis in die dritte Runde verteidigen. Doch die Verfolger lauerten hinter ihm und warteten nur auf den richtigen Moment, den Italiener anzugreifen. So war es dann zunächst Henk-Jaap Moorlag, der an Kerschbaumer vorbei zog und zum Ende der dritten Runde schloss auch der Pole Marek Konwa auf, sodass die drei Fahrer die vierte Runde gemeinsam in Angriff nahmen. Der Schweizer Matthias Stirnemann (Thömus) hatte sich derweil auch schon auf Rang fünf vorgearbeitet und bester Deutscher war zur der Zeit Markus Schulte-Lünzum (Focus MIG) auf Position acht. In Runde vier war es dann Marek Konwa, der das Tempo verschärfte und sich so auf Platz zwei festsetzte. Auf Position drei folgte Henk-Jaap Moorlag und Gerhard Kerschbaumer verlor auf Position vier weiterhin Boden, sodass auch Stirnemann seine Chance ergriff und zu Beginn der fünften Runde an dem Italiener vorbei zog. In der letzten Runde änderte sich dann nicht mehr allzu viel und Marek Konwa überquerte die Ziellinie als strahlender Vize-Weltmeister. Henk-Jaap Moorlag sicherte sich 31 Sekunden dahinter Rang drei. Stirnemann ereilte in Runde fünf zwar noch ein Platten – was am heutigen Tag auch keine Seltenheit war – Platz vier ließ er sich aber dennoch nicht mehr nehmen. Dahinter gelang es dem Schweizer Reto Indergand kurz vor Schluss noch, ebenfalls an Gerhard Kerschbaumer vorbei zu ziehen, sodass sich am Ende drei Schweizer in den Top 5 tummelten. Mit Platz sechs wurde Gerhard Kerschbaumer letztendlich ganz schön durchgereicht und ob der amtierende U23-World-Cup-Gesamtsieger mit diesem Ergebnis zufrieden ist, bleibt fraglich. Als bester Deutscher fuhr sich Markus Schulte-Lünzum mit 5:13 Minuten Rückstand auf Litscher auf Platz sieben.
Die großen Zeitabstände zwischen den Fahrern lassen erahnen, wie knifflig und anspruchsvoll der XC-Kurs hier in Champéry ist und Gruppenbildungen kamen unter diesen Bedingungen fast gar nicht zustande. Die Fahrer kämpften in der Mehrheit für sich allein, was auch dazu führte, dass die 80%-Regel in Anspruch genommen werden musste und einige der Fahrer das Feld so schon in der vierten Runde räumten.
Die anschließende Siegerehrung war sehr emotional und auch die Familien und Freunde der drei Sieger vergossen die eine oder andere Träne. Das Highlight: Thomas Litscher bekam von seinem Sponsor Felt sogleich seinen neuen Rahmen mit Weltmeister-Regenbogen überreicht. Ein Interview war in der ganzen Hektik nach dem Rennen und der Siegerehrung leider nicht mehr möglich, denn Thomas Litscher musste sich zunächst der Doping-Kontrolle unterziehen. Wir hoffen jedoch, den neuen U23-Weltmeister morgen noch zu erwischen, denn auf exklusive Informationen aus erster Hand sollt ihr natürlich nicht verzichten.
Ergebnisse im Überblick
1. Thomas Litscher (Schweiz) 1:32:30
2. Marek Konwa (Polen) 1:34:12
3. Henk-Jaap Moorlag (Niederlande) 1:34:43
4. Matthias Stirnemann (Schweiz) 1:36:03
5. Reto Indergand (Schweiz) 1:36:47
6. Gerhard Kerschbaumer (Italien) 1:37:30
7. Markus Schulte-Lünzum (Deutschland) 1:37:43
8. Diego Rosa (Italien) 1:37:57
9. Sebastien Carabin (Belgien) 1:38:05
10. Jordan Sarrou (Frankreich) 1:38:33
16. Andy Eyring (Deutschland) 1:40:36
20. Marcel Fleschhut (Deutschland) 1:41:44
(Quelle/Foto: X4BIKER.com)
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